Coronakrise: Content und Corona: Chancen und Herausforderungen

Text: Pascal Wabnitz, 20. April 2020

Livestreams, soziale Medien, Blogs: Unternehmen brauchen in der Coronakrise eher mehr Inhalte als weniger. Das sind die wichtigsten Dinge, die Marken jetzt zum Thema Content-Marketing wissen sollten.

Ich zeige euch daher nachfolgend auf, welche Chancen, Veränderungen und Anforderungen aus der aktuellen Krise resultieren:

Mehr Live-Übertragungen

Wir stellen uns aktuell umfangreichen Einschnitten innerhalb unseres täglichen Lebens, aber auch großen Herausforderungen, wie geschlossenen Geschäften, abgesagte Veranstaltungen oder aufs Minimum beschränkte soziale Kontakte. Doch viele betroffene Unternehmen, Künstler, etc. haben diese Situation in den vergangenen Wochen auch als Chance erkannt, und mit neuen und unkonventionellen Ideen einen Weg gefunden, um mit ihren Kunden und Fans weiterhin in Kontakt zu treten und gemeinsam Zeit zu verbringen, ohne sich im realen Leben zu treffen: Live-Übertragungen.

Mehr Insta-Stories

Soziale Distanz kann auch Nähe schaffen: Und zwar, wenn man mit seiner Community auch in schwierigen Zeiten in Kontakt bleibt – und diese Krise gemeinsam meistert. Die schon seit längerer Zeit steigende Beliebtheit von Instagram Stories spielt Unternehmen hierbei in die Karten, denn durch den vielfältigen Einsatz von Bildern,Videos, Musik, Gifs und Filtern, kann man via Stories in seiner Community für mehr Aufmerksamkeit sorgen, sie über neue Produkte informieren oder sie gar direkt in den Onlineshop leiten.

Nicht umsonst sagen viele Experten den Abgesang des Feeds seit geraumer Zeit voraus. Selbst Facebook selbst dementiert diese Aussage nicht und gewichtet Live-Inhalte, Facebook Stories sowie Facebook Gruppen höher in seiner eigenen Kommunikation hinsichtlich der Ausrichtung des Urgesteins der Sozialen Netzwerke.

Festgefahrene Redaktionspläne gehören der Vergangenheit an

Wochenlang geplant – und dann kam Corona dazwischen! Lange Abstimmungs- und Kreationsprozesse sowie ein starres Festhalten an gewohnten Formaten sind aktuell fehl am Platz – und sollten durch kreative Ideen und kurze Abstimmungswege ersetzt werden, um den bestmöglichen Impact zu haben. Natürlich sollte man dabei jedoch seine Content-Strategie immer im Blick behalten.

Stetig wachsend positionieren sich bei vielen Marketern auch die Themen ​Social Listening​ sowie Realtime-Marketing​. Schnell und passend auf aktuelle Themen zu reagieren, kann den Nährboden für viralen Content bereitstellen, der sonst nur schwer planbar ist. Unternehmen wie Sixt nutzten diese Art von Kommunikation auch schon vor Corona – und das mit Erfolg.

Schnellere und agilere Erstellung von Content

Die aktuelle Situation erfordert eine schnelle, dynamische und manchmal auch spontane Erstellung von Content, um mit seiner Kommunikation, bzw. der Bespielung der Kanäle, auf tagesaktuelle Situationen eingehen zu können. Sei es durch Live-Videos, Instagram Stories oder andere Formate – heute gilt mehr denn je: Eine schnelle Abstimmung zwischen Unternehmen und Agenturen kann maßgeblich zum Erfolg beitragen!

Aber auch die Qualität des Contents hat sich in Zeiten von Instagram Stories stark verändert: High-glossy Content ist weiterhin für einige Marken essentiell, aber Content, der mit dem Smartphone oder einfachem Equipment erstellt wird, wächst und wächst, denn der Anspruch vieler Nutzer hat sich parallel (vor allem ​durch den Einfluss von Influencern​) verändert.

Fun Fact: Wie wir alle, sind auch Pinterest-Nutzer aktuell überwiegend zu Hause. Dies zeigt sich vor allem in den Suchanfragen: So haben Themen wie “Arbeit von zuHause aus mit Kindern” einen Zuwachs von etwa 1.657 Prozent,“Naturspaziergänge für Kinder” ein Plus von 407 Prozent und “Heimspiele für Kinder” ein Suchvolumen von guten + 331 Prozent. Aber auch “Heimtraining ohne Geräte” (+ 329 Prozent), “Selbstpflege zu Hause”(+ 332 Prozent), “Augenbrauenwachs Rezepte” (+ 321 Prozent) bis hin zu “Heimwerker-Maniküre zu Hause” (+ 159 Prozent) ​​hatten einen hohen Zuwachs (Quelle: Pinterest News).

Die Kunst für Unternehmen ist es nun, auf diese Trends aktiv zu reagieren und den Content auf die Bedürfnisse der Kunden abzustimmen. Sofern man selbst auf Pinterest aktiv ist,empfiehlt sich auch das Pinterest SEO entsprechend auf das sich verändernde Suchverhalten anzupassen. Somit steckt auch in jeder Krise eine echte Chance!

3D-Renderings statt Fotoshootings

Fotografen und Videoproduzenten haben es aktuell besonders schwer, denn oftmals sind sie abhängig von Locations, an die sie aktuell nicht reisen können – und von Menschen, die sie aktuell nicht treffen dürfen. Dies stellt auch Unternehmen vor eine echte Herausforderung, denn sie benötigen weiterhin Content für ihreKommunikation.

Eine gute Alternative bieten hier zum Beispiel 3D-Renderings statt Fotoshootings oder Videodrehs: Mit dem aktuellen Stand der Technik und Know-How kann eine, am Computer erstellte 3D-Animation, genauso realistisch wirken, wie ein “echtes” Foto oder Video – und ist dabei oft auch noch preiswerter zu realisieren, da Reisekosten und Co. wegfallen. Und wer nicht ganz auf 3D gehen will, der kann z.B. echte Foto-bzw. Videoinhalte mit 3D-Elementen kreativ ergänzen. Vor allem der Automobilindustrie spielt das Thema in die Karten, da hier seit Jahren auf 3D-Visualisierungen mit passenden Backplates (Hintergrundbildern) gesetzt wird.

Content für E-Commerce steigt

Content ist immer noch King, allerdings ist aktuell nachweislich ein Rückgang von Image-Posts zu verzeichnen. Angesichts der schwierigen Situation des stationären Einzelhandels, der durch wochenlang geschlossene Geschäfte enorme Einbußen macht, liegt der Fokus bei der Erstellung von Content ganz klar auf einer Stärkung der Online-Touchpoints bzw. des E-Commerce.

Vor allem Startups haben ihre Geschäftsmodelle teilweise innerhalb weniger Wochen komplett verändert und rundum digitalisiert (siehe z.B. Artnight mit dem Live-Format Artnight Live).

Im Fokus liegt vor allem die Mehrwertkommunikation: Warum sollte ich das Produktkaufen, wie verändert es mein Leben, wo unterstützt es mich aktiv, etc.? Dies sind Fragen, die beim Posten von Content absolut mit einfließen sollten. Auch begleitender Content zu den Produkten kann aktuell noch umfangreicher gespielt werden, da die Zeit am u.a. Smartphone gestiegen ist und die Nutzer somit mehr Zeitmhaben, umfangreiche Tipps & Tricks, Tutorials usw. in Ruhe zu konsumieren.

Es wird mehr Content mit Mehrwert produziert

Gerade in Krisenzeiten geht es um ein starkes Miteinander und darum, etwas Sinnstiftendes zur Gesellschaft beizutragen. Dies spiegelt sich auch in der Content-Produktion wieder: Es geht es noch stärker darum, den Content nach Möglichkeit in den aktuellen gesellschaftlichen Kontext zu stellen, vom Reden ins Handeln zu wechseln – und ihm dadurch vielleicht sogar einen übergeordneten Sinn zu geben.

Wichtig hierbei ist aber, dass ​Purpose-Marketing​ keine sinnfreie Worthülse ist, sondern wirklich vom Unternehmen gelebt wird, bestmöglich schon vor Corona, aber definitiv auch nach der Pandemie, denn Nutzer entlarven schnell scheinheiligen Aktionismus und niemand möchte ein PR-Debakel à la Adidas, Deichmann usw.erleben.

Es geht jetzt vor allem darum, sein Content-Marketing der Situation aktiv anzupassen, um am Ende gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Hinter aktuellen Botschaften sollte aber definitiv Substanz bestehen, denn das teilweise Greenwashing​ während dem Aufstieg von “Fridays for Future” hat gezeigt, dass Konsumenten sich ungerne für dumm verkaufen lassen und nicht so schnell vergessen.

User Generated Content wird immer wichtiger

User Generated Content wird im Jahr 2020 wichtiger denn je! Laut einer Studie finden 85 Prozent der Verbraucher UGC einflussreicher als Markeninhalte, und mehr als 60 Prozent der Menschen glauben, dass Familie und Freunde bei Kaufentscheidungen direkten Einfluss auf sie haben. Außerdem berichteten Einzelhändler in allen Branchen, dass ihre Conversion Rates mit der Aufnahme von UGC gestiegen sind.

Tatsächlich sind Millennials mit über 70 Prozent aller UGC die größten Beitragsersteller, denn gerade Apps wie TikTok, Snapchat und Instagram, eignensich als Plattformen für UGC perfekt. Eine gute UGC-Strategie hilft dabei, eine Community um eine Marke herum zu kultivieren, das Engagement der Kunden sowie die Markentreue zu stärken.

Überraschenderweise wollen über 50 Prozent der Verbraucher, dass ihre Lieblingsmarken ihnen sagen, welche Art von Inhalten sie erstellen sollen. Wichtig für eine erfolgreiche UGC-Strategie ist:

– Social Listening: Welche Hashtags und Bildsprache verwendet deine Zielgruppe und was sagen deine Kunden über dich? Wo sind sie am aktivsten und vor allem, wann?

– Den richtigen Hashtag kreieren: Deine Kunden verwenden wahrscheinlich deinen #Markennamen, um dein Unternehmen zu taggen. Es könnte aber auch strategisch klug sein, einen persönlicheren Hashtag zu erstellen (und zu fördern), der den Fokuswieder auf deine Fans lenkt.-Kommuniziere deinen Hashtag auf all deinen Kanälen: Um deine Fans zu ermutigen,deine Hashtags zu verwenden und zu teilen, kommuniziere sie überall dort, wo sich deine Zielgruppe aufhält (Website, Blog, Social Media Kanäle, Läden, Produkte…).

– Eine weitere Möglichkeit, deine UGC-Strategie zu skalieren, sind (digitale oder analoge) Veranstaltungen: Auf diese Weise kannst du alles nach deinen Wünschen gestalten – vom Hashtag, den deine Kunden verwenden, bis hin zu den Produkten, mit denen sie sich beschäftigen. Am Ende kannst du die Gäste zum Beispiel mit Insta-tauglichen Goodie-Bags oder gratis Downloads, Face-Filtern usw. nach Hause schicken – so bleibt deine Marke auch nach dem Event noch im Gespräch

Community Management so wichtig wie noch nie

Die Sozialen Medien sind aktuell eines der wichtigsten Mittel im Kommunikations-und Marketing-Mix, daher ist auch das Community-Management mit aller Kraftgefragt! Egal, ob die Kanäle für die Kommunikation mit Mitarbeitern oder Endkundengenutzt werden – gerade in der aktuellen Situation ist es wichtig, sich aktiv an den Gesprächen der Community zu beteiligen! Denn wer jetzt die Diskussion, den Austausch – oder auch nur das Gespräch an sich sucht, wird am Ende mit einer gestärkten Community aus der Krise gehen.

Was sagen andere Experten dazu:

https://www.wuv.de/marketing/content_und_corona_chancen_und_herausforderungen

ulf Brackmann
ulf Brackmann